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Schweiz

In der Schweiz erhalten Kinder häufig Prügel aus Überforderung, Hilflosigkeit, aber auch aus Überzeugung.

 

Körperstrafen schaden der Beziehung zwischen Eltern und Kind. Gewalt schwächt das Selbstvertrauen des Kindes und fördert aggressives Verhalten. Sie stört die soziale, intellektuelle und emotionale Entwicklung des Kindes. Das ist weder halt- noch legitimierbar. Der moralische Imperativ "was du nicht willst, das man dir tut, füg auch keinem anderen zu" gilt als Grundsatz einer friedlichen Koexistenz. Körperstrafen sind entwürdigend. Von Körperstrafe als Erziehungsmethode darf nicht die Rede sein: Entweder wir sprechen von Gewalt oder von Erziehung. Erziehung mit Gewalt ist ein Widerspruch in sich. 

 

Die gewaltfreie Erziehung soll im ZGB als Erziehungsleitlinie (siehe z.B. Deutschland) verankert werden. Eine Ausweitung des Strafrechts ist nicht zielführend. Den Kindern und den in der Regel überforderten Eltern muss in diesen Fällen geholfen werden. Eltern dürfen nicht  kriminalisiert werden. Sie sind in den allermeisten Fällen überfordert.

 

Zahlen

Die Studie (siehe unten), unter der Leitung von Dominik Schöbi und Meinrad Perrez von der Universität Fribourg im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen zwischen 1990 und 2004 durchgeführt wurde, belegt die folgenden Zahlen:

  • Über 35% der Eltern von 0 bis 16-jährigen Kindern haben im Verlaufe der letzten vier Wochen ihre Kinder geschlagen. Gemäss Hochrechnungen werden über 1'700 Kinder, die jünger als 2,5 Jahre sind, zumindest manchmal mit Gegenständen geschlagen. Über 35'000 Kinder unter 2,5 Jahren erhalten Schläge auf den Hintern; über 13'000 Kinder unter 2,5 Jahren werden geohrfeigt; rund 27'000  2,5 bis 4 Jährige, rund 38'000  4 bis 7 Jährige, rund 34'000  7 bis 12 Jährige, rund  37'500  12 bis 16 Jährige werden manchmal bis sehr häufig auf den Hintern geschlagen.  Die Gesamtzahl von ca. 170'000 betroffenen Kindern (Füdlitätsch) ist besorgniserregend.

Die genannte Schweizer Studie untersuchte das 

Bestrafungsverhalten von Erziehungsberechtigten in der Schweiz

Eine vergleichende Analyse des Bestrafungsverhaltens von Erziehungsberechtigten 1990 und 2004 im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherung. Sie wurde unter der Leitung von Dominik Schöbi und Meinrad Perrez durchgeführt.

 

Hintergrund

«Wir wollen, dass in der Schweiz kein Kind geschlagen wird» Interview von Evelin Hartmann, Fritz & Fränzi, Juli 2018

"Sind Ohrfeigen okay?" von Angela Cadruvi, Migros Zeitung, 18.12.2017

"Geliebt und doch verprügelt" von Diana Hagmann-Bula,  St. Galler Tagblatt, 23. Oktober 2017

"Zahlen schockieren, so brutal gehen Schweizer Eltern vor" von Rebecca Wyss Nordwestschweiz, 6.10.2017

"Körperstrafen – Die Schweiz sträubt sich gegen ein Verbot", humanrights.ch, 9. August 2017

"Peinlich: Ohrfeige weiterhin erlaubt", Kolumne von Andreas Brunner, Sonntagszeitung, 7. Mai 2017

"Die meisten Kinder werden in der Schweiz geschlagen", Interview mit Franz Ziegler in der Migros-Zeitung, 10. Oktober 2016

"Streit um Schläge" von Tanja Polli, Beobachter, 15. Februar 2016

"En Chlapf zur rächte Zyt..." - Körperstrafen in der Erziehung - Ein Blick in die Geschichte, in Netz 1/2014 von Franz Ziegler

"Körperstrafen sind demütigend und beschämend" - Erziehung in der Schweiz des ausgehenden 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts, in Netz 2/2014 von Franz Ziegler

"Gewalt darf in der Erziehung keinen Platz haben" - Körperstrafen bzw. Gewalt gegen Kinder: Wie weiter in der Schweiz, in Netz 3/2014 von Franz Ziegler

 

 

Anträge im Bundeshaus:

  • Motion Nr. 18.3603 "Im Zivilgesetzbuch ein Verbot von Körperstrafen und anderen erniedrigenden Handlungen gegenüber Kindern verankern", eingereicht am 14.6.2018 von CVP-Nationalrätin Géraldine Marchand-Balet, VS hier
  • Motion Nr. 15.3639 "Abschaffung des Züchtigungsrechtes", eingereicht am 18.6. 2015 von Nationalrätin Chantal Galladé, abgelehnt durch den Bundesrat am 19.8.2015; Begründund hier
  • Motion Nr. 13.3156 "Gewaltfreie Erziehung", eingereicht am 20.3.2013 von Nationalrätin Yvonne Ferri, Antwort des Bundesrates am 29.5.2013 hier
  • Anfrage Nr. 13.1022 "Gewalt in der Erziehung. Wie stoppen?", eingereicht am 15.4.2013 von Nationalrätin Jacqueline Fehr, Antwort des Bundesrates am 7.6.2013 hier
  • Interpellation Nr. 11.3528 "Körperliche Züchtigung im Namen Gottes?", eingereicht am 15.6.2011 von Nationalrätin Jacqueline Fehr, Antwort des Bundesrates 31.8.2011 hier
  • Postulat Nr. 07.3725 "Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Gewalt in der Familie", eingereicht am 5.10.2007 von Nationalrätin Jacqueline Fehr, Antwort Bundesrat 7.12.2006 hier